Buddhistisches Kloster in Nepal - © Webseitenadmin



Ein Kloster für das 21. Jahrhundert




Klöster sind seit Jahrhunderten Orte des Rückzugs von einer Welt ohne spirituelle Hoffnung. Sie bieten ein Refugium für ernsthaft nach einer anderen Welt Suchende. Sie sind Inseln tiefer Spiritualität und eine Arche für diejenigen, die sich anders fühlen, die mit den Gesetzmäßigkeiten der Menschen ohne höhere Ausrichtung entzweit sind. Ihre Mauern bieten Schutz vor den gewöhnlichen Menschen, ihrem Lebensstil und ihrem Alltagsdenken. Aber die festgefügten Klostermauern bilden auch das geistige Gefängnis von religiösen Systemen ab, die niemanden hineinlassen, der sich nicht ganz und gar einer Doktrin unterzuordnen bereit ist. Klöster sind Horte der Unterdrückung derjenigen, die drinnen sind, und derjenigen draußen (wie zumindest die Geschichte über die Jahrhunderte zeigt).


Wie soll sich ein Mensch dort wohlfühlen, der nicht dazu bereit ist, alles einer einzigen Doktrin, einer einzigen vermeintlichen Wahrheit unterzuordnen, der in der Hierarchie der sogenannten Rechtgläubigen nichts als menschliche Machtbedürfnisse erkennt, der seine Freiheit nicht einem Diktat unterwerfen möchte, das seiner Selbstentfaltung zuwider läuft? Sind das nicht Klöster eines alten Typs, die in der heutigen Zeit nur noch deshalb ihren Platz haben, weil längst nicht alle die neuen Werte unserer Zeit wertschätzen können, den Geist des Aufbruchs in ein Zeitalter religionsübergreifender Spiritualität, eine Gesellschaft von Pluralismus und Demokratie, ein Menschsein, das sich individuell selbst entwirft und dem eigenen inneren Plan folgt, statt sich einem Kollektiv bedingungslos unterzuordnen?


Und doch benötigt auch die neue Zeit verbindliche Verpflichtungen des Einzelnen und Grenzen des Individualismus: Verantwortungsgefühl für andere Wesen (Menschen, Tiere, Pflanzen, Geistwesen), die Fähigkeit, einige Bedürfnisse mit anderen zu verhandeln, statt sie egoistisch durchzusetzen, die Fähigkeit, an einem herrschaftsfreien Diskurs teilzunehmen statt nur bei den eigenen Meinungen und dem eigenen spirituellen Trip stecken zu bleiben. Es benötigt also auch die neue Zeit nicht nur Stadteinsiedler, sondern auch Klosterbewohner.


Wo also soll jemand, der aus gutem Grund nicht mehr alles glauben will, was die Kirchen ihm vorsetzen, sein oder ihr Kloster finden, seine oder ihre Oase der Einkehr und des spirituellen Friedens? Christliche Klöster, wie sie sich heute im Westen überwiegend finden, atmen oft die Atmosphäre der alles unterdrückenden Zwanghaftigkeit von Menschen, die an einer alttestamentarischen Idee der Regelbefolgung kleben, sich aber von einem lebendigen Zugang zum spirituellen Urgrund längst entfernt haben. Nicht besser ist das, was Buddhisten oder Hindus in ihren wenigen westlichen Klostergemeinschaften bieten: Unterwerfung unter einen Glauben, einen Ritus, eine Regel, die jede Freiheit erstickt.


Wo ist es: Das Kloster freier Männer, Frauen und Kinder, das allen eine Heimat bietet, die Spiritualität ohne das Korsett von Kirche und Institution suchen, für Anhängerinnen der großen Götter ebenso wie für Zen-Praktizierende, denen die von der ostasiatischen Kultur geprägten Zenklöster zu autoritär sind, für Anhängerinnen des Neuen Zeitalters, die nicht beim Ego-Trip stehen bleiben, sondern gemeinsam Neues aufbauen wollen, und für Buddhisten und christliche Mystikerinnen, die ernsthaft ihren Weg gehen wollen? Wo auch immer neue Gemeinschaften sich bilden, stehen sie entweder unter der Herrschaft sektiererischer neuerfundener Doktrinen, der Macht selbsternannter Gurus oder sie lassen jede spirituelle Mitte, jede Verbindlichkeit in der Hinwendung zum Höheren vermissen und sind reine Wohnprojekte ohne geistige Ausrichtung.


Wir haben uns gefragt, wieso es keine Klöster eines wirklich neuen Typs gibt: spirituell und demokratisch organisiert, pluralistisch und auf inneres Wachstum ausgerichtet. Demokratisch soll heißen: Es gibt keinen Guru oder Abt auf Lebenszeit; spirituell heißt: die Transzendenz steht an erster Stelle; pluralistisch heißt: hier ist kein Platz für Intoleranz und einfache, nur einer Religionsauffassung folgende Dogmen; auf Wachstum ausgerichtet heißt: jeder soll sein Leben als den Auftrag begreifen, mehr zu werden als das, was er zu Beginn seiner irdischen Reise war, als Auftrag, sich am und mit dem Anderen auf ein höheres Sein hin zu entwickeln.


Einer von uns hat schon vor Jahrzehnten begonnen, nach solchen Klöstern zu suchen und sie nicht gefunden. Und wir fragen uns, wieso sie nicht schon längst überall aus dem Boden sprießen, wieso immer noch die etablierte Religion die einzige Alternative zu Konsum und der materialistischen Dummheit bildet. Da wir solche Orte nicht fanden, haben wir beschlossen, sie selbst gründen zu wollen. Wir haben eine Verfassung und Grundregel, die noch im Experimentalstadium ist, entworfen, die du nachlesen kannst unter: ordo-viatorum.de. Aber bisher ist auch unser Kloster nur ein Gedankenexperiment, wir konnten unser Kloster noch nicht realisieren. Was fehlt uns dazu? Mut, sich möglichem Scheitern auszusetzen? Geld? Tatkräftige Unterstützer? Wenn genügend von all dem vorhanden wäre, würden wir längst eine Stiftung gründen, damit kein einziger von uns und zugleich jeder einzelne der materielle und geistige Eigentümer seines Klosters sein kann. Wir würden uns nach einem geeigneten Grundstück oder Objekt umsehen, um dem Klosterprojekt materielle Realität zu verleihen. Falls du dazu bereit bist, Teil dieser Idee zu werden und sie selbst mit zu gestalten und zum Leben zu erwecken, sprich uns an und sag uns, was du dir vorstellst. Unsere Vorstellungen sind, kurz gesagt, die Folgenden:


«       Wir wollen entweder ein größerer Landgut oder aufgegebenes christliches Klostergebäude erwerben oder ein Grundstück, auf dem rund um einen Zentralbau kleine Häuschen entstehen sollen, gerade groß genug, damit in ihnen einzelne, zwei oder drei Alleinlebende gemeinsame, Paare oder Familien ihren Lebensraum, ihre autonomen „Klosterzellen“ finden. (Das sollte vermutlich in Deutschland sein, damit diejenigen, die nur hier einer Arbeit nachgehen oder ihnen zustehende Sozialleistungen beziehen, dies weiterhin tun können.)

«       Wir wollen dies durch eine Stiftung finanzieren, die sicherstellt, dass das Projekt unabhängig vom Ausscheiden einzelner weiterbesteht. Die laufenden Kosten sollen die Mitglieder laufend einbringen, v. a. durch Mietzahlungen an die Stiftung. Jeder bringt darüber hinaus einen Teil seiner freien Zeit oder alternativ einen Teil seines extern erwirtschafteten Gehalts in die Aufwendungen des laufenden Betriebs ein.

«       Wir wollen uns an eine gemeinsame Regel des Zusammenlebens binden, die auf den oben genannten vier Prinzipien aufbaut: demokratisch zu sein (ohne dass dies basisdemokratisch heißen muss, denn gewählte und wieder abwählbare Aufgaben und Funktionen zu verteilen ist unabdingbar ab einer bestimmten Projektgröße); spirituell in der Grundausrichtung jedes einzelnen und der Gemeinschaft; pluralistisch in der Haltung gegenüber Religionen, spirituellen Traditionen, Lebensweisen und kulturellen Einflüssen; und auf inneres Wachstum ausgerichtet, was bedeutet, dass wir niemanden in unserer Mitte dulden, der nicht dazu bereit ist, sich mit sich selbst und in fairer, wertschätzender Kommunikation mit anderen auseinander zu setzen, um immer wieder neu zu lernen.




Emailkontakt:mail@klosterprojekt.de.